Alles digital oder was? Wo Deutschland besser werden MUSS

Veröffentlicht: Oktober 25, 2014 in Hintergrund, Studien, Daten, Zahlen, Fakten
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© Siegfried Springer / PIXELIO

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An der digitalen Transformation kommt man gefühlt aktuell nicht vorbei. Innerhalb der Wirtschaft, aber auch in der gesellschaftlichen Diskussion gilt die Digitalisierung als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Doch inwieweit sind die deutsche Wirtschaft und dessen Unternehmen auf diesen Wandel vorbereitet?

Dass Deutschland ein hoch technisiertes Land ist, wird sicherlich kaum einer bestreiten, aber von einem hoch digitalisierten Wirtschaftsstandort ist Deutschland noch weit entfernt. Im weltweiten und auch im europäischen Vergleich weisen Binnenwirtschaften wie die der USA, Großbritannien, Niederlande einen deutlich höheren Digitalisierungsgrad auf.
Wie man zu solch einer Einschätzung kommen kann, beschreiben beispielsweise Martin Weigert auf netzwertig.comNils Heisterhagen und Dominic Schwickert im Handelsblatt oder auch Carsten Knop in der FAZ in ihren lesenswerten Beiträgen zum aktuellen Stand der Digitalisierung in Deutschland.

Ein schwerwiegender Faktor ist sicherlich, dass Deutschland eines der Länder ist, das eher eine kritische Einstellung gegenüber Informationstechnologien hegt. Dies zeigt sich beispielsweise in dem Nutzungsgrad dieser Technologien, der in Deutschland im Ländervergleich eher unterdurchschnittlich ausfällt. So schätzen auch die Deutschen z.B. ihre Internetkenntnisse im europäischen Vergleich erstaunlich gering ein.

Infografik: Internet für viele Deutsche tatsächlich Neuland | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Eine solch kritische Einstellung zu neuen Informationstechnologien erschwert natürlich eine wirtschaftliche Entwicklung, die auf diesen Technologien basiert und naturgemäß durch die Gesellschaft und die in ihr lebenden Individuen getragen wird.

Auch die infrastrukturellen Grundlagen in Deutschland bedingen eher eine verringerte Nutzung der entsprechenden Informationstechnologien in der Gesellschaft und mit ihr auch der Wirtschaft. Wenn man die landesweite Versorgung mit schneller Internetverbindung international vergleicht, landet Deutschland auf einem eher als peinlich zu bezeichnenden 28. Platz.

Infografik: Deutsches Web: Zu langsam für die Weltspitze  | Statista

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Hier fehlt es aktuell noch mehr als deutlich an klaren Bestrebungen aus der Politik, die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine andere Auseinandersetzung und vor allem Nutzung der neuen Informationstechnologien der Bürger und auch Unternehmen zu fördern.

Es zeigt sich also, dass sowohl die Grundeinstellung der Bevölkerung gegenüber den neuen Medien als auch die infrastrukturellen Grundlagen momentan keinen wirklich nutzbaren Nährboden für eine Digitalisierung in Deutschland liefern.
Diese Liste an fehlenden grundsätzlichen Rahmenbedingungen lässt sich um viele, viele Punkt erweitern. Allein wenn man über das Thema Auseinandersetzung und Nutzung neuer Informationstechnologien in der schulischen Ausbildung nachdenkt oder auch über die Einführung neuer IT-lastiger Berufsfelder oder Studiengänge, zeigt sich wie schleppend und unzureichend hier auf die neuen Anforderungen einer zukünftig immer stärker digitalisierten Arbeitswelt eingegangen wird. Und wenn hier Aktivitäten zu verzeichnen sind, sind diese häufig zu allererst von privatwirtschaftlichen Initiativen und Trägern initiiert und nicht staatlich aufgesetzt.

Besonders deutlich werden die Folgen der kritischen Grundeinstellung den digitalen Medien gegenüber, wenn man sich mit der Digitalisierung im deutschen Mittelstand auseinandersetzt.
Die wirtschaftliche Schlagkraft Deutschlands basiert auf einem extrem ausgeprägten und starken Anteil an mittelständischen Unternehmen. In diesem Sektor ist die Digitalisierung jedoch bisher so gut wie gar nicht angekommen. Die Ergebnisse einer Studie, die das Marktforschungsinstitut GfK Enigma in Wiesbaden im Auftrag der DZ Bank bei 1000 Unternehmen durchgeführt hat, zeigen, dass 70% der mittelständischen Unternehmen, der Digitalisierung in Herstellung und Wertschöpfung keine hohe Bedeutung zusprechen.
Hier zieht man sich nur zu gern auf die bestehenden qualitativ hochwertigen Fertigungs- und Vertriebsprozesse zurück, die Produkte aus Deutschland zu den nachgefragtesten und angesehensten der Welt gemacht haben. Jedoch zeigt sich zunehmend, dass Nationen wie Japan, China und die USA mit ihren zunehmend digitalisierten Prozessen und ganzen Industrien Boden auf Deutschland gut machen und sich teilweise an die Spitze einzelner Industriezweige setzen.

Meiner Meinung nach gibt es zwei eindeutige Kernbereiche, in denen wirklich anzusetzen ist, wenn Deutschland seine Chance auf eine gute Rolle bei der unweigerlich stattfindenden digitalen Revolution nicht gänzlich verspielen will.

1.) Grundlagen der gesamtgesellschaftlichen Digitalisierung
Hier müssen dringend die infrastrukturellen und bildungstechnischen Grundlagen gelegt werden, möglichst vielen Menschen die Auseinandersetzung mit den neuen Informationstechnologien zu ermöglichen, um ihnen Ängste zu nehmen und sie zu befähigen, diesen Veränderungsprozess zu meistern. Oder wenn es um die Jüngsten geht, ihnen alle Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um auf die Anforderungen der zukünftigen Arbeitswelt optimal vorbereitet zu sein.

2.)  Digitale Potenziale im Mittelstand heben
Sofern wir es in Deutschland nicht schaffen eine digitale Kultur des Mittelstands zu schaffen, wird es für die gesamte Wirtschaft beinahe unmöglich, den Veränderungsprozess, den die Digitalisierung mit sich bringen wird, erfolgreich anzunehmen und zu bewältigen. Es muss also vor allem aus der Politik heraus jegliche Unterstützung gewährleistet werden, den Einsatz neuer Informationstechnologien bei Produktion und Vertrieb in mittelständischen Unternehmen optimal zu fördern. Hier sollte vor allem ein Fokus auf Neugründungen und dies vor allem im technischen Umfeld liegen.

Ich hoffe, Euch hiermit einen interessanten Überblick über einige Kernfragen der aktuellen Digitalisierungsdebatte in Deutschland und meine eigenen Gedanken und Lösungsansätze geliefert zu haben.

Gruß, binstins

 

 

 

 

Kommentare
  1. Lukas sagt:

    Interessante Statistiken. Dass Deutschland bei der Bereitstellung schneller Internetverbindungen im internationalen Vergleich so weit hinten liegt, überrascht mich doch sehr, auch wenn ich selbst schon in verschiedenen deutschen Großstädten gelebt habe und das Problem langsamer DSL-Leitungen nur zu gut kenne. Es hat mich immer gewundert, dass der Ausbau des Glasfasernetzes selbst in wirtschaftlich gut verzweigten Städten so schleppend voran ging. Dabei düfte ein schnelles Internet gerade in technischen Betrieben von hoher Bedeutung sein und man kann nur hoffen, dass Deutschland in den nächsten Jahren diesbezüglich zu asiatischen Ländern aufschließen kann.

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