Fremium oder Premium – Wie Verlage ihr Online-Angebot monetarisieren möchten

Veröffentlicht: Oktober 7, 2013 in Hintergrund, Infografiken, Studien, Daten, Zahlen, Fakten
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© Maret Hosemann / PIXELIO

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– Paid Content Modelle bei Online-Angeboten von Zeitungen –
Schon seit längerer Zeit verfolge ich mit großem Interesse die Entwicklungen der Geschäftsmodelle großer deutscher Verlagshäuser bei ihren Online-Angeboten. Erst vor kurzem habe ich ein sehr spannendes Gespräch dazu mit einem Online-Mitarbeiter des Springer-Konzerns in Hamburg dazu geführt. Die Verlagshäuser stehen ja nicht erst seit kurzem vor der großen Herausforderung, sinkende Abonnenten-Zahlen im Print-Bereich durch enstprechende Online-Angebote aufzufangen

und vor allem diese auch zu monetarisieren. Dies hat bisher keines der Verlagshäuser wirklich zufriedenstellend umsetzen können, wie man den umfangreichen Diskussionen innerhalb der Branche entnehmen kann.

Die große Problematik liegt sicherlich in der vorherrschende Meinung begründet, dass im Netz die meisten Inhalte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollten. Dies haben die Verlagshäuser auch lange Zeit genau so gemacht. Sie haben ihrem Haupt-Umsatztreiber, der Printausgabe, ein überschaubares Online-Angebot zu Seite gestellt. In den vergangenen Jahren aber sind die Auflagenzahlen der Print-Ausgaben stetig und vor allem deutlich gesunken, der Traffic auf den Online-Angeboten genauso stetig gestiegen. Doch allein durch das gezielte Advertising auf den Seiten der Online-Angebote lässt sich ein qualitativ hochwertiger Journalismus nicht mehr finanzieren. Dies haben die Verlagshäuser und vor allem deren Mitarbeiter teilweise sehr hart zu spüren bekommen. Dennoch wurde in vielen Verlagen viel zu spät oder bisher noch gar nicht darauf reagiert.

Die gegenwärtige Entwicklung zeigt sehr viele verschiedene Paid Content Modelle, mit denen von Verlagsseite aus versucht wird, dieser Entwicklung entgegen zu wirken und sich qualitativ

© Andreas Hermsdorf / PIXELIO

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hochwertigen und somit mehrwertigen Content auch dementsprechen vergüten zu lassen. Die Modelle unterscheiden sich zum Großteil darin, wann, in welchem Umfang und wie eine Bezahlschranke für die journalistischen Inhalte greift. Aktuell sind 4 Modelle zu unterscheiden, die im Online-Bereich in der breiteren Masse verwendet werden:

1.) Das Freemium-Modell, bei dem ein Teil des Angebots kostenfrei gelesen werden kann und bei bestimmten (meist qualitativ hochwertigen) Inhalten eine Bezahlschranke greift. (aktuell z.B. bei http://www.bild.de)

2. ) Die harte Bezahlschranke, bei der das komplette Online-Angebot nur gegen Bezahlung genutzt werden kann (aktuell bei http://www.wallstreetjournal.de)

3.) Metered Modell, bei dem ein Leser, der im Monat beim Aufruf von Online-Artikeln eine bestimmte Anzahl überschreitet, zu einer Zahlung aufgefordert wird (aktuell z.B. bei http://www.welt.de).

4.) Die freiwillige Bezahlung, die akuell z.B. von http://www.taz.de genutzt wird. Hierbei wird es dem Leser überlassen, ob und vor allem wie viel ihm das regelmäßige Lesen der Inhalte des jeweiligen Online-Angebots wert ist.

Eine interessante Untersuchung zu der Verbreitung der einzelnen Bezahlmodelle hat statista.de durchgeführt und die Ergebnisse in einer Infografik aufbereitet:

deutsche-zeitungen-mit-paywall
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Es ist zu erkennen, dass aktuell der Großteil der untersuchten Online-Angebote auf ein Fremium-Modell bei der Bezahlung zurückgreift (39 von 56 Angeboten), mit weitem Abstand folgt das Metered Modell. Die freiwillige Bezahlung wird nur von einem der untersuchten Verlagshäusern verwendet.

Interessant ist hierbei natürlich auch, neben dem reinen Bezahlmodell auch die dahinterstehenden Kosten genauer zu betrachten. Also z.B. zu hinterfragen, wie die einzelnen Artikel oder gar das komplett Angebot vergütet sein soll oder abgrechnet werden soll. Sind weiterhin Monatsabonnements, Flatrates oder Kontingente, die man dann „runterlesen“ kann, interessant?

© Christian Evertsbusch / PIXELIO

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Es wird sicherlich spannend zu verfolgen, ob sich eines dieser Modelle langfristig wirklich durchsetzen kann und vor allem, ob die Verlagshäuser damit die Verluste aus den zurückgehenden Print-Abos auffangen können. Vielleicht wird es ja auch noch ganz neue, bisher nicht gekannte Paid-Content Modelle geben.

Ich persönlich finde z.B. die Idee eines Feedreaders ganz spannend, bei dem man seine eigene Inhalte aus den jeweiligen Online-Angeboten zusammenstellen kann (z.B. den Finanzmarkt-Teil der FAZ und den Sportteil der Süddeutschen Zeitung, etc.) und man dann die Artikel oder auch Bereiche einzeln in Form von Micro-Beträgen zahlt, die dann auf Wochen/ Monatsbasis hochgerechnet werden und diese dann an die Verlage weitergereicht werden, deren Online-Angebot genutzt werden. Ich denke dies entspricht u.U. den Lesegewohnheiten der „neuen Generation“ etwas mehr als die alten Abomodelle.

Es wird auf jeden Fall spannend sein, die Entwicklung in diesem Bereich zu verfolgen.

Welche Abrechnungs- und auch Nutzungsmodelle favorisiert ihr bei journalistischen Online-Inhalten? Ich freue mich über Eure Kommentare zu diesem Thema.

Gruß, binstins

Björn Instinsky

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Kommentare
  1. v. Ammon sagt:

    Hallo Herr Instinsky

    Sie vergessen bei Ihrer Auflistung, dass das digitale Medium anders funktioniert als eine Zeitung. Verlage neigen dazu, das jahrhunderte alte Modell von Werbeflächenverkauf und Preis für die Zeitung einfach analog auf die digitalen Publikationskanäle zu übertragen. Dort ist jedoch das Userverhalten anders – und by the way auch die Möglichkeit spannenderes zu bieten.
    Wenn Verlage mir nicht im digitalen Medium ein anders funktionierendes Angebot machen und mir mehr „interaktive“ Freiheit lassen, zu wählen, was ich haben will und was nicht, werde ich einen etwas gleich hohen Preis für die Digitalausgabe einer Printausgabe nicht zahlen.
    Die Werber machen den gleichen Fehler: Sie sehen die Online-Publikationen als Verlängerung der dummen und gedruckten Werbeflächen und pfladstern diese zu mit Werbemüll, von dem ich 80% nicht sehen will.
    Es ist also ein Umdenken gefragt und nicht ein neuer Parkplatzwächter, der etwas deftiger kassieren geht. Daher ist auch die „Auflage“ digitaler PUblikationen im Verhälznis 1:100 kleiner als die der noch verkauften Printauflage.

    • binstins sagt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich habe jedoch sehr wohl in meinem Artikel auf die Monetarisierung durch Advertising bei den Online-Angeboten der Verlage verwiesen. Freundlicher Gruß, Björn Instinsky

      • v. Ammon sagt:

        Ich meinte, dass die Verlage eher so denken müssen wie der digitale User: Blättern und unterhalten werden. Nicht einen dicken Sportbund mitliefern wenn jemand sich für Sport nicht interessiert. Und auch nicht Werbung auf den User ausschütten, die er nicht mag. Bedarfsgesteuerte Auswahl – individuelles Angebot an Inhalten unterscheidet sich eben stark von dem Broadcasten bzw. Ausschütten von Inhalten auf eine breite Masse von möglichen Lesern. Die Werbung spricht eben auch nur laut von Targeting, verharrt aber meist in den alten Mustern.

      • binstins sagt:

        Da Stimme ich Ihnen voll zu. Die Idee des Feedreaders geht ja vom Content her genau in diese Richtung.

  2. tobiworld sagt:

    Sehr interessant finde ich das osteuropäische Projekt von Piano Media (http://en.wikipedia.org/wiki/Piano_Media), bei dem man für mehrere Verlagshäuser/Zeitungen zusammen ein Abo abschließen kann. Denn wer möchte im Internet immer nur eine Nachrichtenquelle nutzen? Ich zumindest finde es interessant, bei wichtigen Ereignissen unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen zu lesen. Außerdem differenziere ich hier deutlich zwischen regionaler News-Kompetenz (in meinem Fall rp-online.de) und (inter-)nationaler (spiegel.de & Co.) Ich vermute allerdings, dass der Leidensdruck der deutschen Verlagshäuser erst noch wachsen muss, damit sie sich entsprechend zusammen raufen.

  3. Solange sich der Content der selbst ernannten „Qualitätsmedien“ kaum noch unterscheidet und der informierte Nutzer eine Art Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung erkennen kann, wird er auch nur in einem geringen Umfang dazubereit sein, für Informationen zu bezahlen, diue ihm manipuliert und damit nicht objektiv erscheinen.

    Gerade die vergangene Wahl zeigt, dass von den etablierten Medien eher Meinungsmache und Desinformation zu erwarten ist, als unabhängiger Journalismus. Die Online-Welt funktioniert eben nicht mehr wie die Papierwelt. Die Nutzer wollen nicht mehr nur „ihre“ Zeitung lesen und nur das lesen, was diese für wichtig hält. Sie wollen genau die Informationen auf den Bildschirm bekommen, die ihrer persönlichen Interessenslage entsprechen und sich dabei möglichst vieler Quellen bedienen.

  4. Björn ich gebe Dir absolut recht, dass die alten „Abomodelle“ definitiv nicht mehr dem Zeitgeist oder besser dem Leseverhalten der Online-Welt entsprechen. Ein Konto an einer zentralen Stelle und nur pro abgerufenen Beitrag wirklich zahlen. Denn nur dann ist ein Verlag auch dazu verdonnert, immer guten Inhalt zu liefern. Aber viele Firmen tun sich damit irre schwer, ich wünsche mir das Verfahren ich-zahle-nur-für-das-was-ich-sehe schon seit vielen Jahren zum Beispiel auch für das Pay-Fernsehen. Aber nichts ist. Knebelverträge und Pakete mit viel Inhalt wo einem aber nur ein Bruchteil davon interessiert, das ist im Moment die Realität. Und wenn ich aktuell sehe, was die Bild in ihrem sogenannten kostenpflichtigen Premium anbietet, muss ich mich schon sehr wundern, wer zahlt bitte für solche Artikel Geld? Wie hier schon angesprochen, Abo ist halt der Zwang alles abzunehmen, ob ich nun zum Beispiel den Sportteil haben will oder nicht. Und das hat nichts mit Leserfreundlichkeit zu tun!

  5. v. Ammon sagt:

    Vergesst bitte bei der Diskussion nicht: Wir reden hier mit Druckern, denen …
    … der Werbeverkauf zum Teil schon immer wichtiger war als der Inhalt bzw. die Qualität
    … das Anlagevermögen (millionenschwere Druckmaschinen im Keller) Sicherheit verlieh.
    Das jetzige Modell des „einfach Aggregierens“ von Content diverser Quellen ist nicht in ihrer Welt verankert.

    Ausserdem: NZZ, Süddeutsche, Zeit, Spiegel haben eine Marke, die man immer noch monaterisieren will und kann. Dazu braucht es aber Massnahmen, aufgrund derer man diese „Quellen“ als besonders wertvoll auch wahrnimmt. Wenn ich hier in Zürich von der NZZ News aggregiert (und validiert) bekomme, aber zugleich Hintergrundinfos bei denen so tiefgehend wie ich es brauche, abrufen kann, dann würde ich mich an eine solche Quelle „binden“ auch als Abo oder Rahmenangebot. Bei NZZ gibt es z.B. die Reihen NZZ Format und weitere Themenhefte und Videos, die man dazu anbieten kann.

    Die zitierten viel besuchten Freemium Angebote sind meiner Ansicht nach nicht tragfähig. Die statistischen Daten werden dort auch nach oben geblasen, weil z.B. in Win8 eine Kachel mit Spiegel Online erscheint, bei der dann Millionen User mehrmals draufsehen und Artikel ansehen (Vorschau). Die tatsächliche Zahl der Artikel-Käufer oder Abo-Käufer aus diesen Angeboten heraus ist noch nicht klar. Tatsächlich ärgen sich unedlich viele „Leser/User“ darüber, dass sie nun zahlen müssen und versuchen es erst einmal woanders ….

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