Spende bei Klick und Kauf – Innovative Online-Fundraising-Modelle

Veröffentlicht: September 16, 2012 in Anderes Marketing, Hintergrund
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© Romy / PIXELIO

Zugegeben – In den letzten Monaten war etwas Funkstille auf meinem Blog, da private “Projekte“ bei mir im Vordergrund standen. Nun soll es hier aber wieder regelmäßig Beiträge geben. Anfangen möchte ich mit Gedanken, die ich mir zu einem spannenden und innovativen Online-Projekt gemacht habe, auf das ich vor kurzem gestoßen bin.

In der vergangenen Woche habe ich einen Vortrag von Dr. Michael Trautmann, Gründer der renommierten Werbeagentur kempertrautmann GmbH, gehört. Dr. Trautmann stellte ein hochspannendes Online-Projekt aus dem Bereich soziales Engagement vor. Dieses Projekt hat mir auf Anhieb so gut gefallen, dass ich Lust bekam, es auf meinem Blog vorzustellen.

dotHIV – Die erste Top-Level-Domain mit einem rein sozialen Zweck
Das Projekt trägt den Namen dotHIV und verfolgt die Idee mit .hiv die erste Top-Level-Domain ins Leben zu rufen, die einem rein sozialen Zweck dienen soll. Die Gründer schreiben auf der Website dothiv.org: “dotHIV etabliert die Top-Level Domain .hiv – das erste Domain-Ending, das einem rein sozialen Zweck dient. .hiv wird Gelder generieren, um Engagierte auf der ganzen Welt zu unterstützen, Aufmerksamkeit für das Thema HIV/ Aids zu schaffen und die Stigmatisierung derer zu senken, die mit HIV leben.

Wie genau dies funktionieren soll, beschrieb Dr. Trautmann in seinem Vortrag: Grundlage der Projekt-Idee ist ein aktuelles Verfahren, bei dem die Netzverwaltungsorganisation ICANN angekündigt hat, zum Sommer 2013 neue Domainendungen zulassen zu wollen. Im Rahmen dieses Zulassungsverfahrens wurden rund 1.900 Anträge auf Neuzulassungen gestellt: Von Domainendungen, also Top-Level-Domains, die sich auf Städtenamen beziehen wie .berlin oder .hamburg über Domainendungen, die sich auf Marken beziehen wie .bmw oder .obi bis hin zu Endungen, die eher einen sozialen Ansatz verfolgen wie eben beispielsweise die Domainendung .hiv.

Die Projekt-Idee sieht nun wie folgt aus: Weltweit alle Domains können im Rahmen des Projektes dot.hiv die

© Gerd Altmann / PIXELIO

Domainendung .hiv für ihre Domain erwerben. Dabei leitet die .hiv-Domain auf die ursprüngliche Domain weiter. Der Kauf der Top-Level-Domain verfolgt dabei mehrere Ziele gleichzeitig. Zum Einen werden die Gelder, die durch den Kauf der Domainendung eingenommen werden, weltweit an ausgewählte Aids-Projekte weitergeleitet. Des Weiteren erzeugt jeder Aufruf der Top-Level-Domain .hiv eine Microspende, die ebenfalls weitergeleitet wird. Zum Dritten dient die die Verwendung der Domainendung .hiv dem teilnehmenden Unternehmen dazu, ein Statement abzugeben und dem Thema AIDS weiteres Gehör zu verschaffen und es weiter zu verbreiten. Wenn es beispielsweise eine Domain google.hiv oder auch cola.hiv gibt, dann erhält die Auseinandersetzung mit dem Thema eine deutlich breitere Aufmerksamkeit.

Das Ziel bringen die Projektinitiatoren relativ einfach auf den Punkt: “Dieses Prinzip macht dem Kampf gegen Aids zu einer gemeinsamen Sache: Website-Betreiber und Internet-User erwecken die .hiv-Domains zum Leben.

Einkaufen mal anders – boost-project.com
Mich hat das Projekt und die Idee dahinter gleich begeistert, weil sie recht simpel ist und weil sie das Thema Fundraising (Spendensammeln) auf innovative Weise in ein Online-Geschäftsmodell einbindet. Zudem zeigt sie, dass soziale Verantwortung zwar mit Hilfe eines guten Marketings noch erfolgreicher wird, aber nicht immer eine Marketing-Worthülse sein muss.

© Benjamin Thorn / PIXELIO

Dies scheinen aktuell immer mehr Internet-Gründer zu entdecken. In der jüngsten Vergangenheit bin ich nämlich noch auf ein weiteres soziales Online-Projekt gestoßen, das auf einer vergleichbaren Basis funktioniert. Es heißt boost-project.com und hat folgende Idee zur Grundlage: Die Unterstützung von gemeinnützigen Hilfsorganisationen durch ein innovatives Online-Spendenkonzept. Das Spendenkonzept verbindet klassisches Fundraising mit Online-Shopping und Social Media und funktioniert wie folgt. Als Nutzer gehe ich nicht mehr direkt bei einem Online-Shop einkaufen, sondern kaufe über die Website boost-project.com ein. Hier wähle ich den Shop aus, in dem ich einkaufen möchte und tätige durch meinen Einkauf eine Microspende, ohne dass ich einen höheren Preis für meinen Einkauf zahle. Die Spende wird durch den Shopping-Anbieter getragen. Aktuell nehmen an dem Projekt die bekanntesten deutschen Online-Shops wie beispielsweise Amazon, Zalando, Otto, Conrad oder auch hotel.de teil. Ergänzt wird dieses Prinzip durch die Möglichkeit, seine gute Tat als Nutzer über die Sozialen Medien zu teilen und damit die Spende zu erhöhen.

Dies Idee finde ich ziemlich genial, da hier ebenfalls Fundraising mit einem innovativen Ansatz verknüpft wird. Warum nehmen wohl die bekanntesten und größten Online-Shops an diesem Projekt teil und geben bereitwillig einen Teil ihrer Marge ab??
Da sie hier die Möglichkeit haben, gegenüber den Wettbewerbern einen weiteren USP zu schaffen. Gerade bei Online-Shop, in denen die Warenwelt und die Produkte vergleichbar sind und auch Preisunterschiede im Handumdrehen angeglichen sind, kann man hier zusätzliche Kunden gewinnen, die mit ihrem Einkauf etwas Gutes tun wollen. Zudem können die Online-Shops ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. Natürlich liegt hier die Frage auf der Hand, ob das wirklich soziale Verantwortung ist, was hier praktiziert wird. Aber warum den Spieß nicht einfach umdrehen und nicht über genau diesen innovativen Weg, Unternehmen mit eindeutigen Mehrwerten (positives Image, neue USPs, neue Kunden und mehr Umsatz) dazu bringen, soziale Belange zu unterstützen. Denn dann machen sie es am liebsten und es ist beiden Seiten geholfen!

Eine weitere Frage, die sich sicherlich sofort stellt, ist die Frage, wohin die Spenden gehen und wer davon profitiert. Bei der Frage des Verbleibs der Spenden versuchen die vorgestellten Projekte größtmögliche Transparenz über den Verbleib der Spenden zu gewährleisten und zu kommunizieren, welche Projekte nun genau von den Spenden profitieren. dotHIV beispielsweise ist aktuell sehr aktiv dabei, ein Netzwerk aus Experten zum Thema AIDS aufzubauen, aus deren Vorschlägen dann gezielt Projekte ausgewählt werden, die unterstützt werden sollen.

Wie ist Eure Meinung dazu? Kennt Ihr noch weitere innovative und spannende Geschäftsmodelle des Online-Fundraisings?

Gruß und einen schönen Start in die neue Arbeitswoche.

Euer binstins

Björn Instinsky

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Kommentare
  1. Rudi Mentär sagt:

    Grundsätzlich finde ich die Idee (sehr) gut, ABER… wozu bedarf es dazu einer eigenen TLD ??! Eine Subdomain unter einer .org hätte es genauso getan…

  2. P. Hausen sagt:

    Weiteres Portal: Jeder-Cent

    Ein weiteres Portal, bei dem Affiliate-Gebühren in Spenden „verwandelt“ werden, ist Jeder-Cent.de.

    Die Besonderheiten bei Jeder-Cent sind:

    1. 100%-ige Weitergabe der Spendengelder
    2. Kein „Streuverlust“, da nur eine Organisation (nestwärme e.V.) unterstützt wird
    3. Nur 1 Klick und keine Anmeldung

    Alle durch Jeder-Cent generierten Gelder gehen zu 100% an den nestwärme e.V. Diese bundesweit tätige Organisation unterstützt Familien mit schwer kranken oder behinderten Kindern in ganz Deutschland.

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